Königs-Lilie

Lilium regale

Steckbrief:

Lilium regale
Familie: Liliaceae (Liliengewächse)
Gattung: Lilium (Lilien)
Pflanzenart: mehrjähig, staudig, Zwiebelpflanze
Höhe: ca. bis ca. 180 cm
Habitus: aufrecht, einzelner belaubter Stiel der mit Blütenstand abschließt
Laub: länglich, linealisch, tiefgrün
Blüten: trompetenförmig, seitlich abstehend
Blütenfarben: strahlend weiß, gelbe Staubgefäße und Griffel, äußere Tepalen auf Außenseite purpurn
Blütenstand: Dolde die sich bei älteren Pflanzen etagenartig aufbaut
Blütezeit: Juli
Herkunft: westliches China, Provinz Sichuan
Einsatz: äußerst markante und einfach kultivierbare Lilie für Rabatten und Beete; sehr attraktiv auch in ausreichend großen Kübeln
Standort: sonnig – Halbschatten wird toleriert; hinreichend durchlässiger und nährstoffhaltiger Boden
Vermehrung: Aussaat, im Winter kalt halten um die Keimruhe zu brechen, Pflanzen blühen etwa ab dem dritten Jahr; Zwiebelschuppen können abgenommen und angetrieben werden
Besonderes: sehr intensiver, schwerer Lilienduft, der besonders an Sommerabenden strömt

Schon bei meinen ersten Gehversuchen als gärtnernder Teenager habe ich die Königs-Lilien kennen und lieben gelernt. Selbst in den 70er Jahren in einer westfälischen Kleinstadt gehörten Zwiebeln dieser Lilienart zum festen Angebot in den Gärtnereien am Ort. Wie es sich für Lilien gehört, pflanzt man sie etwa dreimal so tief, wie die Zwiebel dick ist. Der Grund: Am Stiel im Boden bildet die Königs-Lilie so genannte Stängelwurzeln (die im Bild das die Zwiebeln zeigt oben erkennbar sind), die Wasser- und Nährstoffe ebenso aufnehmen wie die Wurzeln, die an der Basis der schuppigen, rehbraunen Zwiebel nach der Pflanzung wachsen. Am besten wird im Spätherbst gepflanzt. Wenn der Boden offen ist, und es einigermaßen mild ist, lassen sich Königs-Lilienzwiebeln auch den Winter hindurch bis etwa März setzen.

Die Zwiebeln sind etwa faustgroß, wenn man eine gute Qualität kauft. Bei älteren Pflanzen können sie beträchtlich anwachsen – das Bild zeigt ein Exemplar, das vier Jahre nach der Pflanzung aus dem Topf genommen und umgesetzt wurde.

Frisch gesetzte Zwiebeln in Handelsgröße bilden im ersten Jahr meist zwischen drei und sechs Blüten aus und werden rund tisch- bis meterhoch. Etablierte Pflanzen können mannshoch werden. Die größten meiner vierjährigen Pflanzen zeigten über 20 Blüten; das führte zu einer Blütezeit von knapp vier Wochen.

Die Austriebe zeigen sich noch während einer Phase im Frühling, in der Nachtfröste vorkommen können. Zur Sicherheit stülpt man ihnen bei Frost geschlossene Blumentöpfe oder – etwas schicker – Glasglocken über. Die Pflanzen wachsen zügig; meist erkennt man schon im Mai die Knospen, die sich noch klein sehr dicht an der Triebspitze drängeln.

Die Blütezeit fällt in den Hochsommer – meist etwa nachdem der erste Flor dauerblühender Rosen voll im Gange ist oder gar etwas abebbt. In meiner Erinnerung musste es immer erst Juli werden, ehe sich die ersten Knospen seitlich abspreizen und öffnen. Sowohl in meiner Heimat als auch in den meisten anderen Gegenden Deutschlands, geht es aber mittlerweile schon etwa Mitte Juni damit los. Vielleicht hat das mit den immer mildernen Wintern, die wir ja erleben zu tun.

Nach der Blütezeit ist die Pflanze eher ornamental, und wenn man die Blüten abschneidet, um Samenbildung zu unterbinden (das stärkt die Zwiebel!) sollten Königs-Lilien besser nicht mehr der Blickfang im Beet sein, und Nachbarn bekommen, die nun blühen. Immerhin: Das Laub der Lilien bleibt bis in den Spätherbst hinein erhalten und vergilbt nicht.

Samen von Königs-Lilien zu ziehen ist sehr einfach – dazu muss man lediglich ein paar Blüten stehen lassen. Bienen oder Wespen haben sie garantiert schon besucht und bestäubt. Der Samen wird im Herbst abgenommen und in Saatgefäße gegeben die so lange draußen stehen, wie das Substrat nicht durchfrieren kann. Ein paar Minusgrade schaden nicht. Allerdings braucht man Geduld, bis sich Keimlinge zeigen. Mitunter brauchen sie sogar zwei Jahre – die Saatgefäße also nicht vorzeitig verwerfen. Nach erfolgter Keimung ein Jahr wachsen lassen, im Herbst in größere Töpfe umsetzen und dann noch mindestens ein, zwei Jahre als Jungpflanzen weiterpäppeln. Danach kommen sie in die Beete. Königs-Lilien sind robust und vital und wachsen willig voran.

Sie sehen, wer also allererste Erfahrungen mit Lilien im Garten sammeln möchte, ist bestens beraten, mit der Königs-Lilie zu starten. Die Zwiebeln kosten kein Vermögen, die Pflanze wächst sehr willig und ist hart im Nehmen und wer Geschick und Geduld hat, kann sich in ein paar Jahren einen eindrucksvollen Bestand aufbauen. Ich selber freue mich selbst auf der Dachterrasse jedes Jahr über dieses Blütenspektakel, wenn die marmorweißen Blüten durch die Sommernacht schimmern und der betörende Duft durch die Luft schleicht.

Leider kann die Freude an allen Lilien durch Schnecken oder Wühlmäuse zunichte gemacht werden. Hier muss man also etwas aufpassen – freilich ist das bei Kübelkultur am einfachsten. Und es gibt noch eine Gefahr: Lilienhähnchen – die übrigens auch Kaiserkronen (Fritillaria imperialis) heimsuchen. Das sind kleine, längliche, rote Käfer die an den Blättern fressen. Ihre Maden sitzen blattunterseits. Weil sie sich einkoten sehen sie aus wie kleine Schlammspritzer und sind bestens getarnt. Mit chemischen Mitteln müssen Sie nicht hantieren; ein Absammeln und Vernichten hält die Lilienhähnchen in Schach. Die Maden lassen sich abstreifen, bei den Käfern muss man erst eine Hand als Auffangteller unter das Blatt auf dem der Käfer sitzt schieben, ehe man ihn von oben greift – er lässt sich bei Gefahr nämlich fallen und ist dann unauffindbar.

Die herrlichen, unverzichtbaren Königs-Lilien wurden von dem berühmten britischen Pflanzensammler Ernest Henry Wilson (1876-1930) in China gefunden und 1910 in Europa eingeführt wo sie sich bestens akklimatisierte. In den Gärten löste die Königs-Lilie hinsichtlich ihrer Wirkung und gewiss auch Symbolwirkung die traditionelle Madonnen-Lilie (Lilium candidum) ab, da diese heikler wächst – mittlerweile ist es leider schwer, virusfreie Zwiebeln von diesem Pflanzenklassiker aufzutreiben. Puristen pflanzen, wenn sie eine rein weiße Lilie haben möchten, eine Selektion der Königs-Lilie namens ‚Alba‘, deren äußerer Tepalen ebenfalls weiß sind.

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