Stiefmütterchen (Viola x wittrockiana)

Stiefmütterchen lila

Steckbrief:
Viola x wittrockiana
Familie: Violaceae (Veilchengewächse)
Gattung: Viola (Veilchen)

Pflanzenart: kurzlebige winterharte Staude

Höhe: bis ca. 20 cm
Habitus: niedrige verzweigte Pflanze mit beblätterten Trieben
Laub: länglich, gebuchtet, frischgrün
Blüten: fünf flache Blütenblätter, die Blüte steht seitlich, meist ist das untere Petal ziemlich groß, darüber sind paarweise zwei Petalen seitlich angeordnet und oben finden sich ebenfalls zwei Blütenblätter die sich meist etwas überlappen, viele Sorten haben auf den Blütenblättern Basalflecken oder Strichelungen, die Blütenmitte ist gelb, Staubgefäße und Samenanlagen sind in einer Blütenröhre verborgen
Blütenfarben: es gibt sie in nahezu allen Farben mit oder ohne Zeichnungen; auch mehrfarbige Sorten sind nicht selten
Blütenstand: einzeln stehend, entspringen den Blattachseln
Blütezeit: bei günstigen Bedingungen nahezu ganzjährig
Herkunft: die Ausgangsarten unserer Gartenstiefmütterchen stammen aus den gemäßigten Zonen Eurasiens
Standort: nahezu alle Licht- und Bodenverhältnisse werden bei ausreichender Feuchte angenommen
Vermehrung: Aussaat
Besonderes: Dauerbrenner in Beeten und Gefäßen, Saisonblume

Stiefmütterchen orange

Lohnt es sich, überhaupt über Stiefmütterchen zu schreiben? Jeder kennt sie und sie sind so allgegenwärtig, dass viele Blumenfreunde ihrer überdrüssig geworden sind und sie, wenn überhaupt, als preiswerte Notlösung setzen bis „schönere“ Pflanzen pflanzbar sind … vielleicht auch als Beleg dafür, dass einem im Frühling nichts Besseres eingefallen ist.

Aber ist es nicht kaltherzig, einer Pflanze genau das übelzunehmen, was wir eigentlich schätzen sollten? Anspruchslosigkeit, Blühwilligkeit, vergleichsweise niedriger Preis, immense Farbenvielfalt … Was wäre denn, wenn Stiefmütterchen heikle Pflanzen wären? Würde man sie dann nicht preisen ob der fantastischen Farben? Würde man nicht die ungewöhnlich gebauten und gezeichneten Blüten in Gemälden verewigen? Würde man nicht alles tun, um sie zu Prachtexemplaren heranzuziehen um damit angeben zu können?

Gehen wir doch die Causa Stiefmütterchen mal möglichst unvoreingenommen an:

Hierzulande ziehen wir sie zweijährig. Hobbygärtner säen sie im Juni, spätestens Anfang Juli in Kisten aus. Da Stiefmütterchen kühlere Temperaturen lieben als sie im Hochsommer herrschen, und im Dunkeln am besten keimen, bedeckt man die Saatschalen am besten mit nassen Säcken bis sich der Keimerfolg einstellt. Ich habe die Säcke bei der täglichen Kontrolle der Anzuchten immer abgehoben und neu mit Wasser getränkt und brauchte so kaum die Saatschalen selbst wässern. Nach der Keimung habe ich die jungen Pflanzen tuffweise in kleine Töpfe pikiert und diese halbschattig aufgestellt. Bis zum Herbst waren sie dann auch pflanzfertig. Sie sind, sofern sie nicht austrocknen, von Anfang an unkompliziert.

Allerdings sollte man bei der Auswahl der Sorten streng darauf achten, dass es sich um erwiesenermaßen winterharte Züchtungen handelt. Leider ist das nicht bei allen Sortengruppen der Fall.

Aber warum eigentlich aussäen, wenn doch die Pflanzen überall zu erschwinglichen Preisen zur Pflanzzeit angeboten werden?

Nun, das hat für mich mit der Auswahl der fertigen Pflanzen im Handel zu tun. Hier gebe ich zu, dass ich bei den blanken Farben und der völlige Einheitlichkeit der Sorten tatsächlich nicht anbeiße. Sie wirken mir zu steril. Gerade leichte Farbabweichungen oder verschieden ausfallende Zeichnungen machen für mich ein Stiefmütterchenbeet spannend – ich muss ja keinen Kurpark nach einem strengen Farbkonzept bestücken. Ich finde, bei einem zufälligen Mix etwa aus Lavendel- und Rosatönen oder Spielarten von Rostrot, offenbaren sich die Eigenheiten der Stiefmütterchen am schönsten.

Und ich muss noch etwas einräumen: Mittlerweile säe ich selbst auch nicht mehr aus. Auf unserer Dachterrasse wäre selbst die Partie die ich aus einem einzigen Samentütchen heranziehen könnte völlig überdimensioniert – meist komme ich mit einem Dutzend Pflanzen, das ich tatsächlich im Frühling im Gartencenter erstehe, voll und ganz aus.

Und ein Stiefmütterchenkauf ist für mich gar nicht so einfach. Sie sollen ja farblich zu meinen aktuellen Hyazinthen und Tulpen passen, nicht allzu pompös aussehen und sich noch einen einigermaßen natürlichen Charakter bewahrt haben. Meist greife ich auf die so genannten „Hornveilchen“ zurück, die genau genommen auch Stiefmütterchen sind, aber durch eine Rückkreuzung mit Viola cornuta, dem echten Hornveilchen, relativ kleinblumig gezüchtet wurden und sich sehr großer Beliebtheit erfreuen. Wobei hier die Grenzen zum Prachtstiefmütterchen mit sechs, sieben Zentimetern Blütengröße fließend sind. Meine Stiefmütterchen haben meist etwa die Größe einer 1-Euro-Münze, zeigen eine feine Zeichnung und changieren vorzugsweise in der Farbe. Ich halte sie in den Töpfen bis die Pflanzen durch Hitze zusammenbrechen – meist erfolgt das ab Juni. Dann ersetze ich sie durch späten Sommerflor, etwa niedrige Zinnien oder letzte Partien von Duftsteinrich.

Mir werden Stiefmütterchen nie langweilig – vielleicht liegt das daran, dass ich sie auch nicht massenweise einsetze. So sind sie genau das, was sie tatsächlich sind: unkomplizierte kleine Charaktergesichter. 

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