’Domaine de Chantilly’

Beet-Rose 
Delbard (F), 2017
Kreuzung: nicht veröffentlicht
Farbe: cremegelb, Außenpetalen zart cremerosa
Füllung/Form: extrem dicht gefüllt; rundliche Blüte
Duft: sehr stark, erinnert an Jasmin
Höhe: um 100 cm

Eine stark duftende Rose mit derart gefüllten Blüten, der 2019 sogar die strengen Prüfer der ADR das begehrte ADR-Siegel verliehen, bleibt auch von mir nicht unbemerkt. Zwei Pflanzen habe ich mir darum so schnell wie möglich besorgt und näher betrachtet.

Zunächst ging alles perfekt. Die stark zurückgeschnittenen Pflanzen trieben sehr zügig grün aus und bildeten – obwohl es anfangs wenige Triebe waren – sehr rasch ansehnliche Büsche. Ganz bemerkenswert war, dass sich die Knospen in ausgesprochen großen Büscheln zeigten. Aber ausgerechnet dieser Speed und die Eigenschaft äußerst dicht gefüllte Blüten auszubilden, führten zu gewissen Schwierigkeiten: Die Knospen des ersten Flors brauchten lange bis sie aufblühten – und die Blüten zeigten dann allesamt eine schwarze Mitte … die Vorfreude war dahin … aber der Zugewinn an Verständnis für die Eigenheiten von Rosensorten wiegt das auf.

Meine Vermutung:
Die Nachtfröste im Mai haben hier zugeschlagen. Die ersten Knospen in der waren ja schon so weit entwickelt, dass sie bereits die schützenden Hüllblätter gesprengt hatten und die winzigen Petalen in einer steinharten Formation bei einigen bereits offen lagen. Derart stark gefüllte Blüten brauchen zuweilen zwei, drei Wochen um sich so zu „sortieren“, dass sie tatsächlich aufblühen können. Und in dieser Zeit hatte eben der Frost die schöne Domaine gepackt. Mit einem Ausfall der allerersten Knospen hatte ich darum ja auch schon gerechnet; wetterbedingte „Bullheads“ im Frühsommer nehme ich keiner Rose übel. Was mich aber irritierte war, dass auch die kleinen Knospen, die noch fest geschlossen und umhüllt waren als es fror, ebenfalls durchweg mackelige Blüten öffneten. Die Kälte scheint eben auch durch Kelchblätter zu wirken.

Ist das ein Grund, ’Domaine de Chantilly’ aus der Liste empfehlenswerter Rosen zu streichen?

Absolut nicht!

Vielleicht ist es bei ihr die passende Strategie, sie als letzte Sorte im Rosengarten sehr spät zu schneiden, damit Fröste jungen Knospen nicht schaden können. Denn eines ist klar: Sie ist ein vitales Wuchswunder und baut sich beeindruckend auf, treibt sehr schnell durch und blüht reich und dauerhaft.

Kommen wir zur Blütenbeschreibung und hier kann ich mit gutem Gewissen Superlative einsetzen – zumindest nach meinen Beobachtungen im Hochsommer und Herbst, als die Blüten sich tatsächlich vollendet zeigten. Das Farbenspiel schwankt zwischen sehr zartem Rosa außen und feinem Gelb in der Mitte. Die Füllung ist extrem stark und könnte schätzungsweise durchaus aus 80 bis 100 Petalen bestehen. Nachzählen wollte ich immer wieder mal, brachte es aber nicht übers Herz, voll entwickelte Blüten abzuschneiden – sie waren einfach zu schön. Allerdings: Verblühte Rosen gibt es auf diesen Sträuchern nicht. Sie werfen alle Blütenblätter sauber ab, ehe es zu unansehnlichen Mumien kommt. Und da mindestens zwei, drei Blüten im gleichen Stadium waren und ich nicht die abgefallenen Petalen einer Sorte zuordnen konnte, war es mir nicht möglich ihre genaue Zahl zu ermitteln. Angesichts der Menge an Blütenblättern, die wirklich jede geöffnete Blüte aufwies, ist es umso bemerkenswerter, dass diese Sorte so reich blüht.

Das Ganze wird durch einen sehr markanten, starken Duft noch getoppt. Es ist kein typischer Rosenduft und ich rätselte ein wenig, woran er mich erinnert. Unsere liebe Freundin Carmen brachte mich auf die richtige Spur, als sie spontan eine Ähnlichkeit mit Jasmin feststellte. Tatsächlich – Jasmin, der echte mediterrane – ist genau die richtige Analogie. Jede und jeder, der im Sommer 2020 bei uns an dieser Rose schnupperte war begeistert und bestätigte diesen Eindruck.

Hinsichtlich der Wuchsform und –höhe steht diese aufrecht wachsende, sehr gesund belaubte Sorte zwischen einer hohen Beet-Rosen und einer kompakten Strauchrose. Was bei der Klassifizierung hier Schwierigkeiten bereiten mag, erweist sich im Einsatz im Garten als Vorteil, denn gerade diese Höhe „zwischen den Welten“ erweist sich als äußerst kompatibel mit dem Gros der Gartenpflanzen. Auch die zarte Farbstellung macht Kombinationen wenig problematisch.

Der Name rührt von dem kleinen Ort Chantilly, der etwa 50 Kilometer nordöstlich von Paris liegt. Berühmt wurde es durch das Schloss im Stilmix der Renaissance und des Barock sowie dessen Gestüt. James-Bond-Fans kennen das Schloss aus der Verfilmung mit Roger Moore, Christopher Walken und Grace Jones „Im Angesicht des Todes“ aus dem Jahr 1985.

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