Weihnachtsstern – Euphorbia pulcherrima

Laaaaangweilig – höre ich schon den einen oder anderen denken angesichts dieser Allerweltspflanze. Und dann kommt der Barlage auch noch im Januar damit, wo wir doch diese Pflanzen, oft sind sie schon blattlos, mit dem ganzen anderen Weihnachtsdekokram wieder verschwinden lassen. 

Tja, ich gebe zu, dass ich das auch lange Jahre gemacht hatte bis ich vollends auf den Kauf von Weihnachtssternen verzichtet habe. Aber dieses Jahr korrigiere ich meine Haltung zu Weihnachtssternen, denn sie erweisen sich als erstaunlich zäh. 

Der Reihe nach. Im zeitigen Frühling 2018 brachte mein Mann eine abgeblühte Weihnachtssternpflanze von seiner Arbeitsstelle mit. Sie sollte dort in den Müll geworfen werden. Stefan fand das schade, denn die Pflanze sah gut aus mit ihren kräftig gewachsenen Verzweigungen und den mildgrünen hübschen Blättern. Wir gaben ihr einen etwas größeren Topf und stellten sie im April (Fröste waren nicht mehr zu erwarten) in den Schatten eines großen Oleanders auf die Dachterrasse … und achteten darauf, dass sie nicht ganz austrocknet, aber nie zu nass stand. Weihnachtssterne mögen absolut keine Fußbäder und lieben es im Zweifelsfall eher trocken als feucht. Das ist das mit Abstand wichtigste, das man über sie wissen muss. 

Ich hatte keinerlei Hoffnung, dass unser kleiner grüner Freund jemals blühen würde. Als studierter Gärtner mit vorausgegangenem Praktikum weiß ich, dass Weihnachtssterne Kurztagspflanzen sind und vor der Blütezeit gut 8 Wochen lang eine Belichtung von maximal 9 Stunden pro Tag mit entsprechender Dunkelphase benötigen. Zu diesem Zweck werden in Gärtnereien die heran wachsenden Pflanzen mit absolut dichter dunkler Folie abends bedeckt, die erst morgens wieder entfernt wird. Selbst kleine störende Lichtquellen – in der einschlägigen Literatur wird berichtet, dass sogar Schreibtischlampen genügen – reichen aus, um den Blütenansatz zu stören. Und nur die kleinen unscheinbaren Blüten an der Triebspitze veranlassen die oberen Laubblätter sich prächtig auszufärben, was den wirklichen Zierwert der Pflanze ausmacht. Sie wandeln sich zu so genannten Brakteen um, also Hochblättern die die Funktion von farbig lockenden Blütenblättern übernehmen. Da wir keinerlei Vorrichtung (ein großer Pappkarton hätte ausgereicht) zur Verdunklung benutzt haben, gab ich keinen Pfifferling auf mögliche Blüten.

Weihnachtsstern beginnende UmfärbungAber man lernt nie aus. Abgesehen vom Einsatz von Kerzen und Teelichtern an lauschigen Herbstabenden wird dort nix des Nachts beleuchtet. Außerdem stand der Weihnachtsstern an einer Stelle wo Licht auch unserer Wohnung nicht hinkam und zudem im Schatten der Dachterrassenmauer, sodass auch Licht in Nachbarwohnungen ihn nicht erreichte. Und was soll ich sagen: Die obersten Laubblätter erröteten sanft ab Oktober, wie das rechts stehende Bild belegt.

Pünktlich Mitte Dezember haben sich die Brakteen in einen warmleuchtenden, intensiven Farbton voll ausgefärbt. Die Pflanze steht nun im Schlafzimmer und fühlt sich dort sichtlich wohl.

Und was mir besonders gefällt: Die Pflanze hat die Hemmstoffe mit der sie zum Verkauf behandelt wurde um kompakt zu bleiben, abgebaut und wird höher und somit deutlich verzweigter und attraktiver. Ich sehe Weihnachtssterne nun mit ganz anderen Augen und wir werden ihn nicht mehr her geben. Vielleicht geht es Ihnen auch so, vorausgesetzt, sie werfen ihren Weihnachtsstern heuer mal nicht weg. Auf jeden Fall sortiere ich diesen Beitrag nun in die Kategorie der langlebigen Zimmerpflanzen ein, jawoll!

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