Einmal Bronze, einmal Gold!

Gartenbuchpreise Barlage 2019

Jedes Jahr im zeitigen Frühjahr findet auf Schloss Dennenlohe die Verleihung des Deutschen Gartenbuchpreises statt. Es gibt mehrere Kategorien für die Buchverlage entsprechende neu erschienene Werke einreichen können. Diese werden von einer Jury begutachtet, die dann am Abend der Veranstaltung – dieses Jahr am 15. März – in einem feierlichen Rahmen ihr Ergebnis bekannt gibt.

In diesem Jahr hatte ich zwei Bücher im Rennen – nachdem ich mehrere Jahre keine Bücher mehr veröffentlicht hatte. Der Verlag Eugen Ulmer reichte „Das Große Ulmer Rosenbuch“ ein und der Thorbecke-Verlag das Lese-Buch „Woher wissen Wurzeln, wo unten ist?“.

Cover Urkunde Woher wissen Wurzeln

Zu meiner großen Freude bekamen sogar beide Bücher einen Preis. Das Rosenbuch belegte Rang 3 in der Kategorie „Bestes Garten- oder Pflanzenporträt“ und „Woher wissen Wurzeln, wo unten ist?“ wurde zum Sieger in der Kategorie „Gartenprosa und Gartenlyrik“.

Ich habe mir erlaubt, an die Jury vor der Veranstaltung eine Art Grußwort zu verfassen, den ich an dieser Stelle etwas aktualisiert veröffentlichen möchte:

Sehr geehrte Gartenbuchliebhaberinnen und –liebhaber,

ich habe erfahren, dass Sie meine beiden eingereichten Bücher „Das Große Ulmer Rosenbuch“ und „Woher wissen Wurzeln, wo unten ist“ mit Preisen bedacht haben. Das ist Anlass für mich, ein paar Worte zu schreiben, weil ich leider aus Termingründen nicht an dem Event auf Schloss Dennenlohe persönlich teilnehmen konnte, denn ein Vortrag in Kassel über Kletterrosen war bereits seit letztem Jahr für diesem Tag angesetzt. Ich hätte gerne beides gemacht, aber Scotty vom Raumschiff Enterprise ist unauffindbar und so konnte ich mich leider nicht hinbeamen lassen.

Als Autor ist es immer sehr schmeichelhaft, wenn ein Buch, das er auf die Reihe bekommen hat, Anklang findet. Freilich freue ich mich auf das Erstellen jedes neuen Werkes und bin davon überzeugt, dass es gut wird. Erstmal … Mir geht es so, dass ich schon beim Überlegen, welches Thema gerade „dran“ ist eine kribbelige Vorfreude empfinde. Das Hochgefühl hält bei mir erstmal an, wenn der Seitenlauf und die Inhalte feststehen.

… und dann geht es ans Schreiben …

Sowie ich den Seitenlauf für die Schreibphase wieder hervor nehme, ist der erste Rausch verflogen. Ich weiß ja, wie das Resultat aussehen soll … aber glauben Sie mir – wie ich dieses Ziel erreichen soll, ist bei wirklich jedem Buch zunächst ein großes Fragezeichen. Jedesmal habe ich zu Beginn der Schreibphase das Gefühl, mir zu viel vorgenommen zu haben. Ich bin der sprichwörtliche Ochs vor dem Scheunentor und selbst wenn ich schon das eine oder andere Buch auf dem Gewissen habe, fange ich stets bei Null an, denn auch wenn ich mich in den gewählten Themen gut auskenne, soll ja etwas Neues entstehen … Abschreiben gilt nicht!

Aber versprochen ist versprochen und das beste Gegenmittel gegen Selbstzweifel ist das Tun. So geht es in die Recherche – sowohl im eigenen Kopf als auch in den Weiten des Internets und den Metern der mittlerweile doppelreihig bestückten Bücherregale im Arbeitszimmer. Der Kaffeekonsum steigt enorm, leider auch der Konsum von Zigarillos … und der Sog, etwas zu schreiben, führt zum Ausblenden haushaltlicher Pflichten und zur wachsenden Interesse an Tütensuppen und Pizzalieferungen. Wenn ich beginne, ungebügelte Hemden zu tragen, weiß mein Mann genau, dass ich mitten im Dschungel der Formulierungen und Textüberarbeitungen stecke und lässt mich in meiner Gedankenwelt in Ruhe … ich mache es ihm aber auch leicht, indem ich dann bevorzugt nachts arbeite.

Tja, und wenn dann das letzte Wort, die letzte Bildidee, das Vorwort und der ganze Um-und-Drum-Krempel auf dem virtuellen Papier ist und ans Lektorat gegangen ist, wird es spannend: Wie ist das Echo von den ersten Leuten, die sich mit meinen Gedanken beschäftigen? Bei „Woher wissen Wurzeln, wo unten ist“ war es prima – Janina Drostel hatte nur wenige Anmerkungen und begann sehr zügig damit, den Text mit Bildern zu einem Buch zusammenzustellen, das nicht nur Leselust sondern auch Augenschmaus liefern soll.  Beim „Großen Ulmer Rosenbuch“ war die Zusammenarbeit mit Bettina Brinkmann und Ruthild Kopp ebenfalls eine wirkliche Freude. Sie haben sich auf die vielen Ideen, die mir noch nach der Manuskriptabgabe hinsichtlich der Texte, Fototauschaktionen und Layoutanpassungen kamen äußerst flexibel eingelassen und bis zur Drucklegung meinen Elan nicht gebremst.

Der absolute Höhepunkt beim Erstellen eines Buches ist bei mir erreicht, sowie der erste Umbruch bei mir eintrudelt. Das ist mit nichts zu vergleichen! Ganz gleich wie viel oder wenig noch zu machen sein mag – es ist die allerschönste Zeit für mich als Autor, erst recht, wenn wie in diesem Fall die Zusammenarbeit mit Grafik und Lektorat so angenehm verläuft. Jetzt geht es darum, dem bereits vorbereiteten Diamanten den Feinschliff zu verpassen, dass er brillieren kann.

Mindestens ein Jahr, gelegentlich sehr viel länger, dauert es, bis von der Buchidee eine druckfähige Vorlage des Buches fertig ist. Das alles geschieht in einem Schutzraum der unabdingbar ist, um etwas Neues gedeihen zu lassen.

… dann kommt die Veröffentlichung …

Wird das Buch Anklang finden? Finden sich Leserinnen und Leser, die genauso begeistert von ihm sind wie die Mamas und Papas in den Schreibstuben, die auf den Neuankömmling begreiflicherweise ersteinmal nur stolz sind?

Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass das Gremium der Jury hier unsere Werke so wohlwollend aufgenommen hat und sie zur Lektüre empfiehlt. Das ist eine echte Bestätigung dafür, dass sich die enorme Arbeit gelohnt hat und wir nicht ganz falsch lagen mit der Themenfindung und der Ausführung.

Für einen Schauspieler oder Sänger ist der Applaus im Theater bzw. auf der Bühne eine solche kaum verzichtbare Zuwendung – ein ausverkauftes Haus allein wiegt das nicht auf. Für uns Schreiberlinge (und die Verlage) spielen die Verkaufszahlen eines Buches sicher eine äußerst wichtige Rolle … aber es beflügelt einfach, wenn versierte Buchkennerinnen und –kenner das Publizierte für lesenswert halten. Und ich bin sehr dankbar, dass es der Gartenbuchpreis in Dennenlohe eine solch seriöse Institution ist, die die Arbeit der Verlage und und Autorinnen und Autoren auf diese Weise würdigt.

Das spornt an zum Weitermachen in diesem Metier … ich nehme dann auch nur zu gerne die Kaffeeschocks und ungebügelten Hemden in Kauf …

Herzliche Grüße

Ihr

Andreas Barlage

2 Replies to “Einmal Bronze, einmal Gold!”

  1. Lieber Herr Barlage,
    dann erstmal Glückwunsch noch zu den beiden Gartenbuchpreisen in Dennenlohe und wirklich schade, dass Scotty von Enterprise nicht auffindbar war. Sonst hätte ich Sie auf der Bühne stehen gesehen….;-)
    Der Bericht über die Entstehung der Bücher ist aber mindestens so unterhaltsam, wie Ihre Bücher selber. Jetzt muss ich mich nur entscheiden, welches Buch ich zuerst als Rezensionsexemplar für meinen Blog bestelle. Wahrscheinlich doch das Rosen-Buch, da ich im März beim Tomaten pikieren so wunderbar beim Bio-Balkon-Interview unterhalten worden bin, dass mir die lästige Arbeit so leicht von der Hand ging, wie noch nie.
    Viele Grüße,
    Sigrun vom fränkischen Bergblumengarten

    1. Hallo Sigrun – vielen Dank für den freundlichen Kommentar und sorry für die späte Antwort – war ein bisschen viel die letzten Wochen. Vielleicht treffen wir uns bei einer anderen Gelegenheit einmal – viel Freude beim lesen!

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