’Rosengräfin Marie-Henriette’

Syn.: ’Lovely Parfuma’, ’Summer Romance’, ’Marie Henriette’, ’Madame de Maintenon’, ’Comtesse Marie-Henriette’

Beet-Rose 
Kordes (D), 2013
Kreuzung: nicht veröffentlicht
Farbe: sehr reines Rosa
Füllung/Form: gut bis dicht gefüllt; rundliche Blüte
Duft: intensiv und rosig
Höhe: um 120 cm

Um diese Sorte ins Herz zu schließen brauchte ich zwei Anläufe. Bei ihrer Markteinführung bin ich freilich sofort hellhörig geworden und habe sie damals in meinem Bielefelder Schrebergarten ausprobiert. Ihre Beetnachbarn waren schwarzrote Knautien (Knautia macedonica ’Mars Midget’), blaue Katzenminze (Nepeta x faassenii ’Walker’s Low’) und diverse früh blühende Polsterstauden. Ideal also für ein Rosenbeet in klassischen Farben. Aber vielleicht war ich zu konventionell bei der Gestaltung vorgegangen und habe diese Rose folglich als zu konventionell wahrgenommen … trotz ihrer absolut herausragenden Eigenschaften.

Meine Suche für die ultimative Lösung in einer Detailfrage für einen Rosengarten hat mich wieder auf diese Sorte aufmerksam gemacht. Denn ich hatte im Sinn, dass sie einen recht schönen, eher breitbuschigen Wuchs hat. Und das machte sie, gemeinsam mit den für eine Beet-Rose recht großen Blüten, für den Einsatz als Hochstammrose äußerst interessant. Zumal sie obendrein sehr stark duftet.

Genau genommen handelt es sich bei ’Rosengräfin Marie Henriette’ um den Prototyp einer rosa blühenden, großblumigen Sorte, den man getrost als Maßstab für jede neu auf den Markt kommende Rosenzüchtung für diese Zwecke setzen kann. Das Laub ist sehr gesund und glänzt, der Wuchs buschig, der Durchtrieb zügig, die Blütenfülle gut … es ist fast langweilig, die Liste der Tugenden aufzuzählen – wenden wir uns also mal Details zu:

Die eiförmigen Knospen öffnen sich recht langsam. Der mittlere bis helle Rosaton ist weder silbrig noch korallenfarben nuanciert, sondern steht ziemlich in der Mitte zwischen kalt und warm. Die relativ große Blüte hat eine sehr reiche Füllung und hübsche, eher rundliche, „nostalgisch anmutende“ Form. Das immense Plus ist der sehr intensive Duft. Ihm wird eine Anis-Note zugeschrieben, die ich persönlich aber bisher als eher nachrangig erlebt habe. Sie ist zwar da, wird aber nach meinem Nachschnuppern vom einem typischen Rosenduft eingehegt. Nunja, es mag je nach Boden und Wetter unterschiedliche Beobachtungen geben. Unzweifelhaft ist, dass der Duft stark ist. Nicht immer sind die Blüten so dicht gefüllt, dass die Staubgefäße versteckt bleiben – oft blüht sie so auf, dass Insekten einen Imbiss finden … allerdings ist sie keine wirkliche „Bienenrose“, das ist klar.

Dass eine neue Sorte aus dem Hause Kordes hohe Erwartungen an die Blattgesundheit weckt, ist Fluch (für die Züchterabteilung) und Segen (für das Marketing) zugleich. ’Rosengräfin Marie Henriette’ löst alle Versprechen ein, die hier gegeben werden. Ich finde sie makellos … und vielleicht darum eine Spur zu perfekt … obwohl ich sie wirklich gerne mag. Ist eine Perfektion vielleicht an sich auch ein Makel, der ja eine Rose, oder einen Menschen wiederum liebenswert macht? Sonderbarer Gedanke …

Der Name ist keine willkürliche Aneinanderreihung zugkräftiger Namensteile, denn eine Rosengräfin Marie Henriette gab es tatsächlich. Ihr voller Name lautete: Marie Henriette Hermina Rudolfina Ferdinanda Antonie Anna Gräfin Chotek; sie entstammte dem alten Adel Böhmens und lebte 1863-1946. In ihrem geerbten Schloss Unterkrupa in Ungarn widmete sich der Rosenzüchtung und bekam bald den Beinahmen „Die Rosengräfin“. Sehr effektiv unterstützte sie zeitlebens die europäische – heute würde man sagen „Rosenszene“. Leider starb sie, durch Kriegswirren vetrieben, verarmt und vereinsamt. Es gab mehrere Rosen, die ihr gewidmet wurden; die wirklich würdige Rose unserer Jahre für die rührige Dame ist nun also ’Rosengräfin Marie Henriette’.

Offenbar ist das Wirken der Rosengräfin in Frankreich noch weniger bekannt als hierzulande. Denn dort hat diese Sorte – parallel zu den Sorten ’Madame Anisette’ und ’Gräfin Diana’ – ebenfalls den Namen einer Mätresse des Sonnenkönigs erhalten. Madame de Maintenon (1635-1719) war die letzte Geliebte Ludwigs des XIV. und hat nach dem Tod der Königin 1683 mit ihm eine diskrete, morganatische Ehe geschlossen. Sie war zwar seine Gemahlin, hatte aber keinerlei Ansprüche auf den Rang einer Königin … was es nicht alles so gab in feudalen Kreisen. Auch die Rose, die nach ihr benannt wurde, dürfte sich in ein barockes Gepräge á la Versailles gut einfügen.

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