Hyazinthen auf Wasser

Blütenstand Hyazinthe

Das kenne ich von meiner Kindheit her: Eine Hyazinthenzwiebel wird auf ein speziell geformtes Glas mit Wasser gelegt, sodass die Zwiebel selbst nicht im Wasser steht, sich aber Wurzeln bilden können. Die neu aufgesetzten Zwiebeln werden kühl aber frostfrei und dunkel aufgestellt. Wenn der Raum Tageslicht bekommt, werden ihnen Hütchen übergestülpt, damit sie dunkel stehen. Erst wenn der Austrieb der Zwiebel das Hütchen nach oben schiebt, darf es entfernt werden. Dann ist auch die Wurzelbildung ausreichend und die Blüte wird ausreichend mit Wasser versorgt und bleibt nicht stecken. Soweit meine Kindheitserinnerungen. Meine Oma Lene hat mir mal eine solche Zwiebel zum Namenstag (dem schenkte sie als Katholikin besondere Bedeutung) geschenkt. Und da bekanntlich der Heilige Andreas am 30. November eines Jahres gefeiert wird, begleitete mich diese Zwiebel durch den Advent und blühte zu Weihnachten. 

Ich weiß nicht, ob es an dieser Kindheitserinnerung liegt, aber seit jeher liebe ich Hyazinthenduft im Winter. Ich kaufe und verschenke etwa getopfte angetriebene Pflanzen mit Vorliebe, bevor sich draußen der erste Krokus blicken lässt und sehe zu, mir selbst immer mal welche als natürliche Raumbedufter in die Wohnung zu stellen. Chemische Duftapparate lehne ich sowieso ab. 

Hyazinthen präpariert im Glastopf mit HütchenAn diese Erinnerung habe ich im Herbst 2018 angeknüpft und mir mal eine Rutsche präparierter Zwiebeln dieser Pflanzenart schicken lassen – inklusive dreier einfacher klarer Hyazinthengläser, die das bereits vorhandene Arsenal an Hyazinthengläsern ergänzten. Ich dachte, die Wurzelbildung lässt sich so leichter fotografieren. Ende November habe ich die Hyazinthen aufgesetzt. Einen Dreierpulk Hyazinthenzwiebeln habe ich in einen Glastopf gepflanzt; Halt bekamen sie dort durch handelsübliches Hydro-Granulat. Mir war es zu umständlich, die Gefäße im Keller aufzustellen – immerhin wohnen wir in der dritten Etage ohne Aufzug – und so landeten sie im Arbeitszimmer, das durch das stets offene Fenster das kühlste der Wohnung ist. Hütchen bekamen sie dennoch alle, die hatte ich noch in einer alten Kram-Kiste gefunden. 

Nun muss ich sagen, dass die Hyazinthen, die einzeln in den insgesamt sechs Gläsern standen, weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Eine Wurzelbildung fand kaum statt und nur drei Zwiebeln waren in der Lage, das Hütchen zu lupfen. Die anderen pennen vor sich hin und scheinen sogar einzuschlafen. Viel Hoffnung habe ich im Januar nicht mehr mit ihnen. Naja, und selbst die drei ausgetriebenen Hyazinthenzwiebeln sind nicht gerade der Kracher. Sie sind mehr oder weniger stecken geblieben und schaffen es nur mit Mühe, Blüten zu öffnen. Kein Wunder, denn besonders viele Wurzeln haben sie nicht gebildet.

blühende Hyazinthen im Glastopf Der Dreierpulk im Glastopf hingegen ist ein Erfolg gewesen. Hier lief alles nach Plan und am 14. Januar 2019 öffneten sich die ersten Blüten. Allerdings ist der erste offene Blütenstand schnell so schwer geworden, dass er sich nicht mehr aufrecht halten kann und kippt. Das liegt daran, dass nur die größten Hyazinthenzwiebeln für die vorangegangene Päparierung durch einen vorgenommenen Wechsel von Kühlung und wärmeren Temperaturen im Erntelager ausgewählt werden. Und die bringen eben auch die schwersten Blütenstände hervor (By the way: Für Gartenbeete würde ich nie die größten Hyazinthenzwiebeln wählen – eben aus dem Grund, dass die Blüten zu schnell kippen; ich bevorzuge da eine mittlere Zwiebelgröße). Ich warte jetzt ab, bis auch die anderen beiden so lang sind, dass sie kippen und schneide dann alle ab, um sie in die Vase zu stellen. Hyazinthenduft ist auch von dort unschlagbar. Vielleicht nehme ich einfach ein abgeräumtes Hyazinthenglas dafür. Seine Form und Größe ist ideal für eher kurzstielige Schnittblumen. 

Hyazinthen stecken geblieben auf GläsernTja, was ist falsch gelaufen? Warum haben nicht alle Hyazinthenzwiebeln geblüht? An der Qualität der Zwiebeln kann es nicht liegen, denn ich hatte sie bei einem sehr professionellen Anbieter gekauft dem ich wirklich vertraue. Ich denke, es ist denn doch zu warm im Arbeitszimmer gewesen und die Wurzelbildung konnte nicht so vonstatten gehen, wie es sein sollte. Vielleicht waren auch die Zwiebelböden zu weit weg vom Wasserstand – obwohl es sich nur um Millimeter handelte. Immerhin hat der Pulk im Glastopf ja keine Probleme gemacht … ob es daran liegt, dass das Granulat etwas Feuchte angenommen hat und diese ausreichte, um den Prozess anzuregen? 

Ich nehme mir vor, in diesem Herbst das Experiment mit den Hyazinthengläsern zu wiederholen und stelle sie nach dem Aufsetzen denn doch in den Keller. Treppensteigen soll ja auch den Kreislauf anregen … 

Natürlich werde ich hier dann in etwa einem Jahr über die Ergebnisse berichten. Bis dahin also die klare Empfehlung: Stellen Sie Hyazinthenzwiebeln nicht bei Zimmertemperaturen zum Antreiben auf. Auch wenn das Zimmer noch so kühl ist … solange man noch darin sitzen und arbeiten kann, sind die Temperaturen für die kühlen Duftköniginnen doch zu hoch. 

 

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