Winter

Helleborus niger, Christrose

Je nach Witterungsverlauf beginnt nach dem System der phänologischen Jahreszeiten der Winter im November oder Dezember. Die Blätter sind von den meisten Laubgehölzen ist abgefallen und die ersten strengeren Fröste beenden den Vegetationszyklus fast aller Pflanzen. Die auffälligsten Stauden, die im Garten im Winter blühen, sind gewiss die weißen Christrosen (Helleborus niger) und der Blühbeginn der Art zeigt den Beginn des Winters an – unabhängig von dem metorologischen oder astronomischen Jahreszeitenverständnis. (Allerdings gibt es unterschiedliche Züchtungen von Helleborus niger deren Blühbeginn sich um ein paar Wochen verschieben. Gravierende Auswirkungen auf die Arbeiten im Garten hat das allerdings kaum). 2018 blühte auf unserer Dachterrasse die Christrose am 2. Dezember auf, das Foto ist ein paar Tage später entstanden. Ein weiterer typischer Winterblüher ist die Zaubernuss (Hamamelis), deren Blütezeit ebenfalls im Winter beginnt, sich aber und je nach Sorte bis zum Vorfrühling andauern kann.

Das steht an: 

Der Winter ist je nach Betrachtungsweise die erste oder letzte Jahreszeit des phänologischen Jahreskreises. In dieser Zeit ruht die Vegetation. 

Tatsächlich? Nö! irgendetwas wächst ja doch irgendwo. Etwa im Boden, wenn dieser nicht gerade Stein und Bein durchgefroren ist, strecken sich die junge Wurzeln. Das ist bei einigen Gehölzen der Fall und ein Grund dafür, laufabwerfende Gehölze am besten im Herbst zu pflanzen, damit sie im Spätherbst und in milden Wintern bereits Wurzeln bilden während sie noch nicht damit beschäftigt sind, Laub auszutreiben, zu blühen oder das aufgenommene Wasser durch entfaltetes Laub zu verdunsten. Bis in den Winter hinein können sie, solange es nicht friert, noch gepflanzt werden. 
Anders liegt der Fall bei immergrünen Laubgehölzen und Koniferen (die bis auf die Lärche ebenfalls grundsätzlich immergrün sind). Hier entlassen die Blätter auch im Winter aufgenommenes Wasser; die Fotosynthese läuft zwar auf Sparflamme, aber sie läuft. Im Herbst gesetzte Immergrüne haben aber so wiederum ein Problem: Sie haben meist noch kein besonders üppiges Feinwurzelsystem ausbilden können, ehe es in und durch den Winter geht. Und wenn es dann nass ist, kann es besonders bei jungen Pflanzen leicht zur Fäulnis kommen. Sie werden nicht in dieser Jahreszeit gepflanzt, sondern erst im Erst- oder Vollfrühling. Auch das Gegenteil von Nässe – eine eher unübliche anhaltende Trockenheit (die übrigens auch durch Fröste herrühren kann, die tief in den Boden hineinreichen, denn auch dann bekommt die Pflanze nicht laufend Wasser nachgeliefert um den Turgor der Blätter aufrecht erhalten zu können) kann schädlich wirken. Das Risiko: Frosttrocknis. Einige Pflanzen reduzieren bei starken Frösten die Verdunstungsfläche der Blätter indem sie diese einrollen um sich zumindest teilweise vor zu viel Wasserverlust zu schützen – bei immergrünen Rhododendren etwa lässt sich das gut erkennen. Das ist erstmal kein Grund zur Sorge. Viel eher eine Art Erinnerungs-Memo, dass, sowie der Boden wieder offen (also frostfrei und weich) geprüft werden sollte, ob er feucht genug ist … und im Zweifelsfall gegossen wird. 

Und es gibt sogar Überlebenskünstler, die selbst bei Eis und Frost blühen – oder zumindest in den Phasen wenn die Temperaturwerte gerade über 0°C steigen. Diese Pflanzen haben sämtlich ihre Knospen im Laufe des Sommers oder Herbstes ausgebildet – Gehölze direkt an den Zweigen, Stauden an der Basis der Pflanzen. Ihre Leistung besteht darin, dass sie die angelegten Blütenknospen strecken, sowie etwa die Lichtmenge eines Tages und/oder die Temperatur einen Reiz ausübt auf den die betreffende Pflanzenart arttypisch reagiert. Vergessen wir nicht, dass sich jede Pflanzenart auf ihre spezielle Nische im Ökosystem angepasst hat – und sich auf diese Weise während der äönenlangen Evolution erhalten konnte. Winterblüher nutzen sozusagen die konkurrenzarme Jahreszeit und buhlen um die (wenigen) Bestäuber die trotz des unwirtlichen Wetters unterwegs sind. 

Die kleine Statistik: 

Winterbeginn in Karlsruhe auf der Dachterrasse von Andreas Barlage: 

2018: 2. Dezember

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