Vorfrühling

Galanthus nivalis, Schneeglöckchen, Vorfrühling

Wohl keine Jahreszeit wird in unseren Breiten so sehnsüchtig erwartet, wie der Frühling. Und der beginnt im System der phänologischen Jahreszeiten mit dem Vorfrühling.

Mir selber erscheint jeder vorausgehende Winter wie eine Art Exil. Ich gehöre zu den Menschen, die der kalten Jahreszeit nur wenig abgewinnen können. Das Deko-Getöse um Weihnachten lässt mich weitgehend kalt, lediglich sporadische gesellige Besuche an Punsch-Ständen eines Wintermarktes heitern mich auf. Wintersport liegt mir einfach nicht und ich finde eine Schneelandschaft und zugefrorene Seen nur solange schön, bis ich nach spätestens einer Stunde eine kalte Nase habe und mir eine Erkältung einfange. Viel lieber betrachte ich ein Winterwunderlandszenario aus einem warmen Wohnzimmer mit einer Tasse Earl-Grey Tee in Reichweite. Hinzu kommen die dunklen Phasen, die in unseren Breiten meist außerdem von grauem Himmel und nicht enden wollenden Regen zusätzlich getrübt werden. Nein, Winter ist gar nichts für mich. Und so lauere ich auf die ersten Zeichen der Natur, die sein Ende ankündigen.

Der Vorfrühling wird angezeigt durch:
Blüte der Schneeglöckchen
Blüte der Winterlinge
Blüte der Haselnuss

Als Brücke vom Winter zum Vorfrühling zeigen sich zudem Gehölze wie die Winterblüte (Chinomanthus praecox) oder Zaubernuss (Hamamelis), die beide duften. Weitere typische Vorfrühlingsblüher sind etwa der Echte Märzenbecher (Leucojum vernum), oder der Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus).

Crocus tommasinianus, Elfenkrokus

Sowie diese Pflanzen blühen, habe ich, wie viele andere Zeitgenossen hierzulande, das Gefühl, dass das Schlimmste vom Winter hinter mir liegt. Klar, es können noch usselige Tage folgen, Schnee und Eis sind noch absolut möglich und die Erkältungssaison hat jetzt einen Höhepunkt. Aber immerhin: Die Tage werden spürbar länger und die Stimmung steigt. Und jede Pflanze, die mit ihrem Austrieb oder ihren Blüten zeigt, dass sie den Winter überstanden hat, wird begeistert bejubelt.

Das steht jetzt an:

Die ersten Arbeiten im Garten sind Schnittarbeiten an frostharten Gehölzen oder Stauden und Düngegaben, wenn nötig. Einmal blühende Rosen werden nun ausgelichtet, Obstbäume werden schleunigst zurückgeschnitten (falls noch nicht erfolgt) und abgestorbene Triebe von Stauden und Gräsern können im Laufe der kommenden Wochen abgeschnitten werden. Bei meist schon blühenden Lenzrosen etwa (Helleborus orientalis) nimmt man das Laub aus dem Vorjahr weg, damit die neuen Blüten besonders schön wirken. Gleiches unternimmt man auch etwa bei Elfenblumen (Epimedium), die sonst ihren Reiz nur unter beschädigten Blättern verbergen würden.

Die Klematis-Arten und ihre Sorten, die am frühesten blühen, etwa die großblumigen Hybriden oder die „Viticella-Gruppe“ schneidet man nun ebenfalls tief zurück. Etwa drei, vier Austriebspaare sollten nur übrig bleiben (auch wenn’s schwer fällt). Klematis sind erstaunlich frostfest und selbst junge Triebe werden im Falle des Falles nur wenig geschädigt und entwickeln sich prachtvoll.

Im (Gewächs-)Haus beginnt man mit dem Vorziehen von langsam wachsenden Sommerblumen wie Pelargonien, Petunien, Schwarzäugige Susanne (Thunbergia), Prunkwinde (Ipomoena) etc. aus Samen. Jetzt reicht die Lichtmenge aus, um die Keimlinge gut zu versorgen. Gleiches gilt für frostempfindliche Pflanzen, die aus Zwiebeln und Knollen wachsen, auch sie werden nun angetrieben. Indisches Blumenrohr (Canna) oder Begonien (Begonia) sind Kandidaten dafür – doch es reicht auch aus, sie erst im Erstfrühling zu setzen.

Überwinternde frostempfindliche Kübelpflanzen werden nun durch die steigende Lichtmenge zum Austrieb angeregt. Das Gros von ihnen braucht jetzt frische (frostfreie!) Luft und einen sehr hellen Platz. Die Wassergaben werden vorsichtig erhöht. Haben Sie auch ein Auge auf Schädlinge wie Wollläuse oder Rote Spinne und bekämpfen diese, denn gerade jetzt verbreiten sie sich besonders rasch.

Im Garten sind die ersten Schnecken unterwegs, sowie es nicht mehr Stein und Bein friert. Die kleinsten Arten, die sich im Boden verbergen, sind die frühesten und meist nur durch die Schädigungen an austreibenden Pflanzen zu erkennen. Hier muss ebenfalls eingeschritten werden.

Noch können wurzelnackte Laubgehölze und Rosen sowie wurzelnackte Päonien gepflanzt werden. Um die frischen Pflanzungen herum empfiehlt sich eine Laubschütte, um erste Fröste abzuhalten – dann geht alles reibungslos.

Allerorten verlocken nun blühende Frühlingsblüher zum Pflanzen. Primeln, Stiefmütterchen, Maßliebchen (Bellis), vorgezogene Zwiebelblumen und vieles mehr lassen das blumensüchtige Gärtnerherz höher schlagen. Gegen eine Pflanzung ist jetzt wenig einzuwenden. Aber Obacht! Die Frostgefahr ist noch nicht gebannt. Machen wir uns klar, dass diese Pflanzen samt und sonders aus Gewächshäusern stammen und noch nie einen Winter erlebt haben. Selbst an sich voll winterfeste Stauden (etwa Veilchen) können stark unter Frösten leiden, zumeist weil sie erheblich weiter entwickelt sind, als wenn sie im Garten einen Winter zuvor hätten überstehen müssen. Sämtliches blühendes Frühlingsvolk muss bis zum Erst- oder Vollfrühling noch vor Frösten geschützt werden, so sie denn auftreten. Abdeckmaterial wie Vlies sollte bereit gehalten werden und wenn die Temperaturwerte unter etwa -4°C fallen, bedeckt man sie oder stellt Pflanzgefäße an einen kühlen, hellen, frostfreien Platz auf, bis der Spuk vorbei ist.

Beginn des Vorfrühlings auf der Dachterrasse in Karlsruhe von Andreas Barlage:
2019: 9. Februar

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