Netz-Iris – Iris reticulata et al.

Iris reticulata Harmony

Nein, diese Irisarten haben nichts mit dem Internetz zu tun – sie werden hier nur thematisiert. Und außerdem fasse ich hier in diesem Beitrag nicht nur die „echten“ Iris reticulatas zusammen, sondern gleich eine Gruppe von Irisarten, die Zwiebeln bilden und sehr zeitig im Jahr blühen. Arten wie Iris histrioides und einige Hybriden liegen bildlich gesprochen im gleichen Regal wie die Netz-Iris. Ihren Namen hat die Netz-Iris bekommen, weil die trockene Hüllhaut um die Zwiebelchen eine mehr oder weniger netzartige Struktur aufweisen.

Iris reticulata Harmony

Womit beginnen? Das wirklich Faszinierende an ihnen ist, dass sich filigran und exotisch anmutende Blüten, die in der Wärme zuweilen sehr intensiv nach Veilchen duften, in einer Zeit entfalten, in der es nicht gerade gemütlich für Pflanzen ist: Sie blühen allesamt im Vor- und Erstfrühling. Die Zwiebeln sind relativ klein und spitzoval und sollten bis Anfang November im Boden sein. Sie kosten nur kleines Geld und so kann man einfach mal ein paar Sorten ausprobieren.

Iris reticulata Harmony

Schon beim Austrieb wird es interessant. Es erscheinen nämlich meist zwei sehr dünne, nadelartige Blätter die die breite, von einem Hüllblatt umschlossene zipfelartige Blütenknospe in der Mitte flankieren. Die offene Blüte guckt etwa 10 Zentimeter aus dem Boden heraus, wenn sich das Hüllblatt etwa zwei Tage vor dem Erblühenden öffnet. Dann verbreitet die Knospe durch ihre Farbe Vorfreude ehe sie sich, sofern es nicht friert, zu einem luftigen grazilen Gebilde auffaltet. Ist es draußen ungewöhnlich warm, halten diese Blüten eine knappe Woche – und heuer hatte ich sie verpasst, weil ich nicht daheim war. Das war in diesem Jahr bei der frühesten meiner Sorten ’Lady Beatrix Stanley’ der Fall. Das leuchtende, ziemlich reine Blau macht aber die kurze Begegnung zumindest meinem Mann, der da war, unvergesslich. (Die abgebildeten dunkelblauen Iris in diesem Beitrag heißen ‚Harmony‘).

Etwa zwei Tage später erblühte eine etwas hellere violettblaue Sorte, deren Namen ich nicht kenne. Ich hatte sie letztes Jahr blühend gesetzt und durchkultiviert. Und das war überraschend einfach! Die dünnen Blätter wuchsen sich auf gut 30 cm aus und wirkten bis zum Hochsommer als sie einzogen wie drahtige Grashalme – schick im Topf. Zwiebeliris können dazu neigen, dass sich ihre unterirdischen Speicherorgane zerklüften und die entstehenden Teilstücke werden dann gelegentlich so klein sind, dass sie im Folgejahr noch nicht blühen. Bei der gelb blühenden Art Iris danfordiae ist mir das aus früheren Gärten in Erinnerung. Alle mir bisher bekannten blau und violett blühenden Sorten hingegen halten sich blütenstark im Garten und bestockten sich moderat. So eben auch meine unbekannte Schöne, die in ihrer Fülle einen farbleuchtenden Auftritt hinlegte. Es kann so einfach sein …

Iris reticulata

Weiter geht es mit der schon erwähnten Sorte ’Harmony’ die ich als Vorbote in einen grünen Kasten gesetzt hatte aus dem auch Narzissen sprießen die etwas später in Blüte kommen sollten. Das Tintenblau der feinen Blüten wird äußerst effektiv durch die gelbe Musterung des Saftmales gesteigert und da es zur Blütezeit ab Anfang März wieder etwas kühler wurde, vollzieht sich das Aufblühen langsamer und nach einer Woche sind noch keinerlei Verschleißerscheinungen erkennbar. Ich muss daran denken, wie einst Netz-Iris in meinem Bielefelder Garten einer bösen gut dreiwöchigen Frostperiode standgehalten hatten inmitten von Eis und Schnee – und in keiner Weise beschädigt wurden. Irre, wie haltbar Frühlingsblumen im Freien sein können.

Als letzte meiner kleinen Regenbogengöttinnen gibt sich ’Katharine Hodgkin’ die Ehre. Sie ist ja auch etwas ganz besonderes, denn ihre Grundfarbe ist ein wässeriges Blau mit Türkisanklängen auf dem ein leopardenartiges Fleckenmuster funkelt. Auch wenn sie unerhört extravagant anmuten mag, ist sie genauso hart im Nehmen wie ihre andersfarbigen Schwestern.

Iris Katharine Hodgkin

Mal sehen, wie sie sich dauerhaft hält, denn sie entstammt einer Kreuzung aus Iris histrioides und Iris winogradowii, die ich noch nicht kenne … vielleicht muss ich mit einer Kinderstubenbetreuung kleiner Pflänzchen im kommenden Jahr rechnen … aber die kleinen Katrinchen werde ich schon versorgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.