Erstfrühling

Forsythienblüte, Erstfrühling, Rosenschnitt

In der Reihenfolge der phänologischen Jahreszeiten geriet ich immer ins Schleudern mit den Begriffen „Vorfrühling“ und „Erstfrühling“ … irgendwie ist für mich „erst“ immer das erste … aber in diesem Falle stimmt das eben nicht. Als Eselsbrücke habe ich mir das Wort „vorerst“ zurechtgelegt und bin seitdem sicher im Ausdruck … zumindest in diesem Thema.

Der Erstfrühling löst den Vorfrühling ab. Ab jetzt geht es wirklich los, und die Vor-(Frühlings-)Boten weichen den typischen Frühlingsblumen. Aber auch denen wird viel abverlangt, denn ein üblicher Witterungsverlauf pendelt zwischen sehr warmen Tagen (heuer sogar um die 20°C hier und da) und unangenehmen Frösten die sogar tagsüber auftreten können. So sind Erstfrühlingsblüher ebenfalls Pflanzen, die hart im Nehmen sein müssen.  

Als Anzeiger der Erstfrühlings gelten:
Blühende Forsythien (abgebildet ist die Sorte ‚Goldrausch‘)
Blüte der Stern-Magnolie (hier ein älteres, gut 4 Meter hohes Exemplar)
Blüte der Zier- und Fruchtkirschen und Pflaumen
Entfaltung des Laubes der Stachel- und Johannisbeeren

Magnolia stellata, Frühlingsblüher, Gehölz

Das sind natürlich nur die auffälligsten Erscheinungen, die so ziemlich in jedem Garten oder Park zu finden sind. In die Zeit des Erstfrühlings fallen auch die (für mich) unverzichtbare Blüte von Kaiserkronen (Fritillaria imperialis), der Hyazinthen – sofern sie nicht vorgetrieben sind – der Duft-Veilchen (Viola odoratum), der Felsenbirnen (zuerst Amelanchier laevis, etwas später Amelanchier lamarckii) und der Schlüsselblumen (Primula officinalis) und mehrjährigen entzückenden Staudenprimeln wie Primula acaulis bzw. Primula pruhoniciana, die ich weit hübscher finde als die großen Hybriden, die sämtliche Verkaufsstellen bevölkern. Christ- und Lenzrosenblüten (Helleborus niger, Helleborus orientalis und ihre Hybriden) vergrünen jetzt reizvoll und werden zu subtilen Gegenspielern der leuchtend farbigen Frühlingsblumen.

Das steht jetzt an:

Strauchrose Soul vor dem Rückschnitt

Jeder Rosenfreund weiß, dass die öfterblühenden Rosen während der Blütezeit von Forsythie, also im Erstfrühling zurückgeschnitten werden müssen. Es macht nichts, wenn der genaue Zeitpunkt irgendwann innerhalb der meist gut drei Wochen dauernden Phase bestimmt wird – selbst wenn die Austriebe der Rosen sich schon strecken. Die Pflanze verliert so gut wie nichts an Kraft und es ist immer (!) besser, dem Rosenstrauch eine gute Durchlüftung zu verschaffen, die nur durch beherztes Ausschneiden von zu dicht stehenden Trieben erzielt werden kann. Das Bild zeigt die Strauchrose ’Soul’ vor dem Rückschnitt und belegt, dass sie bereits Anfang April sehr stark ausgetrieben ist.

Edel- und Beetrosen schneide ich scharf zurück, so dass lediglich maximal ein Drittel (meist nur ein Viertel) der Triebhöhe stehen bleibt und nur die kräftigsten von ihnen sollen sich erneut aufbauen. Holz das dünner ist als ein Bleistift wird weggenommen, alles, was abgestorben ist sowieso und wenn Triebe zu nah aneinander stehen, wird der weniger verheißungsvolle weggeschnitten.

Strauchrose Soul nach dem Rückschnitt

Bei öfterblühenden Strauchrosen gehe ich ähnlich vor, aber die Triebe bleiben länger, damit die Pflanze ihren kräftigen Wuchs voll ausspielen kann. Links sehen Sie das oben abgebildete Exemplar der Strauchrose ‚Soul’ nach dem Rückschnitt am 2. April. Ohne schlechtes Gewissen meinerseits sind die langen Triebe mit den neuen Blättern in der Schnittgut-Auffangtüte gelandet und ich bin absolut sicher, dass ich eine toll blühende Pflanze im Sommer sehen kann – ich werde beizeiten Fotos von ihr hier veröffentlichen.

Bei öfterblühenden Kletterrosen denke ich mir immer, dass die älteren Haupttriebe sozusagen das Bodenniveau einer Edel- oder Strauchrose repräsentieren und arbeite mich an den daran abzweigenden Trieben durch.   

Übrigens: Immer wenn ich meine Rosen zurück schneide, dünge ich sie in einem Arbeitsgang mit handelsüblichem Rosendünger-Granulat … so als eine Art Entschuldigung für die verlorenen Triebe und Aufmunterung, nun kräftig zu wachsen …

Wer es verpasst hat, einmal blühende Rosen im Herbst auszulichten, kann das noch nachholen. Anders als bei öfterblühenden Sorten werden die Triebe in ihrer Gänze belassen und nur wo sie allzu lang sind, ein klein wenig eingekürzt. Viel wichtiger ist es, Triebe die älter als etwa drei, vier Jahre sind, direkt an der Basis auszuschneiden. Einmal blühende Rosen blühen am so genannten alten Holz und man würde sich jedes Jahr um die Blütenfülle bringen, würde man das so kurz schneiden, wie etwa öfterblühende Rosen. Mit den Jahren nimmt die Verzweigung eines alten Rosentriebes zu und nach einigen Jahren produziert er nur noch ein spilleriges Wirrwar aus Trieben und Laub mit nur wenigen Blüten. Dann wird der vergreiste Trieb komplett ausgeschnitten und es gibt Luft für jungen Nachwuchs.  

Sämtliche sommerblühenden und frostempfindlichen Blumenzwiebeln und –knollen werden nun entweder im Haus vorgetrieben oder (wenn man es wagt und das Wetter sehr mild ist) direkt im Freiland in Töpfen ausgestellt. Besser noch nicht ins Freiland setzen, denn die jungen Austriebe von Canna, Dahlien, Begonien und Co. sterben bei Frösten ab, sofern sie aus dem Boden lugen. Töpfe lassen sich im Falle des Falles bei Frostnächten noch ins schützende Haus holen. Dennoch ist eine relativ frühe Pflanzung ratsam, damit sich ein Wurzelsystem zügig entwickeln kann und die Pflanzen ab etwa Mai, Juni schon mit den ersten Blüten aufwarten können.

Gleiches gilt für frostempfindliche Kübelpflanzen. Hier bin ich jedes Jahr im Erstfrühling bereit, ein „mobiler Gärtner“ zu sein. Die meisten Arten etwa aus mediterraner Abstammung stehen an milden Frühlingstagen besser draußen als drinnen, vertragen aber Fröste nicht besonders gut. Und sollte sich derartiges ankündigen, schiebe ich die Kübel eben wieder ins Haus … eine Sackkarre ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel.

Aussaaten von Sommerblumen und Gemüse können schon vorgenommen werden, wenn auch noch nicht direkt ins Freiland … sehen wir mal von so robusten Pflanzen wie Dicken Bohnen ab. Die fast immer sensibleren Arten werden am Fenster vorgezogen. Zinnien, Sommerastern, Löwenmaul oder Spinnenblume (Cleome) brauchen diesen Anlauf und entwickeln sich meist dann so, dass sie termingerecht zum Beginn des Sommers ins Beet umziehen können.

Für die Pflanzung wurzelnackter winterharter Laubgehölze und Rosen läuft die Zeit nun ab. Deutlich später als zur berühmten Forsythienblüte sollte das nicht mehr passieren. Und in jedem Fall müssen solche Frühlingspflanzungen sehr gut im Auge behalten werden, denn die größte Gefahr ist, dass sie vertrocknen. Schattenleinen oder Vlies, aufmerksame Bewässerung und Anhäufeln mit Erde oder Laub sind Strategien, um den Pflanzen das Anwachsen zu erleichtern. Vergegenwärtigen wir uns, dass sie jetzt neben den Austrieben nach oben auch noch Wurzeln bilden müssen, die diese Austriebe zügig mit Wasser versorgen müssen. Das ist ein Kraftakt bei jeder Frühlingswitterung!

Ach – und widerstehen Sie bitte den Verlockungen der Verkaufsstellen, die bereits Sommerflor wie Pelargonien, diverse Margeriten, Ringelblumen, Fuchsien und ähnliches präsentieren. Wenn Sie diese Pflanzen kaufen, halten sie diese wenigstens in Töpfen, die bei Temperaturen unter + 4°C ins Haus gestellt werden können. Andernfalls gibt es mindestens Wachstumsstockungen, oft aber einen Totalausfall …

Beginn des Erstfrühlings auf der Dachterrasse in Karlsruhe von Andreas Barlage:
2019: 13. März

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