Eine Bahnfahrt, die ist lustig?

Wie schon geschrieben, wohnte die Züchterin unserer Katzen in Hamm und wir leben in Karlsruhe. Ursprünglich hatte ich vor, die Kitten nach einem Einsatz auf dem in der Nähe gelegenen Lohhof auf einer Rückfahrt mit nach Hause zu nehmen. Allerdings verschoben sich die Termine und ich musste an einem Tag beide Wege nach Hamm hin und nach Karlsruhe zurück per Bahn zurücklegen. Als Termin guckte ich mir Montag, den 11. November aus. Die Hinfahrt ging glatt und ich konnte gegen Mittag die Minnie und Otto in Empfang nehmen. Sie ließen sich bereitwillig in die klappbare Transportbox, die aussieht wie eine kantige Reisetasche, hineinsetzen und waren denn doch etwas verdutzt, dass sie nicht mehr herauskamen, weil alle Zugänge per Reißverschluss mit Stoffgitterfenstern verschlossen waren.

Auf alles vorbereitet sein

Als ich mit dem Bus die erste Etappe zum Hauptbahnhof genommen hatte und das große Handtuch, mit dem ich die Fenster abgedeckt hatte, um die Kitten vor Wind und Wetter zu schützen, lüftete, offenbarte sich buchstäblich, dass die beiden Schiss hatten. Schließlich gingen sie das allererste Mal im Leben auf Reisen … und das mit einem völlig Fremden. Vorausschauend hatte ich kleine Plastikbeutel dabei gehabt und konnte die Hinterlassenschaft entsorgen. Ebenfalls hatte ich ein Handtuch in Reserve, mit dem ich den etwas beschmutzen Boden der Tasche abdecken konnte. Man(n) denkt ja schließlich mit.

Während der ersten Zugfahrt – sie lief bis Köln – ging alles prima. Ich setzte die Box auf den extra dafür reservierten Platz neben mich, nahm das Handtuch ab und öffnete die obere Tür der Box, um vorsichtig meine Hand hinein gleiten zu lassen, damit die Katzen sich mit meinem Geruch vertraut machen konnten. Gleichzeitig sprach ich beruhigend auf sie ein. Und siehe da … sie schnupperten, schnurrten sogar etwas und ließen sich kurz streicheln. Nach diesem Erstkontakt dösten sie. Ich war guten Mutes, auch weil es kein Dacapo in Sachen Malheur gab und das Handtuch sauber blieb.

Das übliche: Zugverspätung

Aber die Bahn wurde leider ihrem miserablen Ruf gerecht: Der erste Zug verspätete sich in Köln und wir verpassten den angepeilten durchgehenden Anschlusszug nach Karlsruhe, mit reservierten Plätzen so knapp, dass ich noch an dessen Einstiegstür greifen konnte – die sich nicht mehr öffnete. Gemeinsam mit etwa 70 weiteren wütenden Fahrgästen, denen es ebenso gegangen ist, stand ich schimpfend auf dem Bahnsteig.

Karneval ist nichts für Katzen!

Wer oben aufmerksam mitgelesen hat, wird nun das Datum und die Stadt in der wir gestrandet sind, zusammendenken und begreifen, was mir nun dämmerte: Es war der Tag an dem ein gewisser„Hoppeditz“ erwacht und die so genannte 5. Jahreszeit im Rheinland einläutet! Das Getöse vom Karneval schwappte nun durch den Bahnhof der deutschen Karnevalshauptstadt. Vielfältig. In Form von tragbaren Musikboxen die unsägliche Schlager rauf und runter spielten und auch hier und da einer Life-Kapelle, die trötend angeblich gute Laune verbreiten. Der Lautstärkepegel lag irgendwo zwischen denen einer landenden Boeing und eines Presslufthammers. Ich verkrümelte mich mit meinen sensiblen Ohrentieren in die entlegenste Ecke des Bahnsteiges und suchte per Handy und mit telefonischer Hilfe meines informierten Gattens, nach der nächsten Möglichkeit weiter zu reisen. Ein durchgehender Zug gen Heimat fuhr erst zwei Stunden später. So visierte ich eine Verbindung mit Umstieg in Mannheim an.

Zwischendurch schaute ich immer in die Box und war erstaunt, wie zumindest augenscheinlich gelassen sich die beiden Katzenkinder ihrem Schicksal fügten. Noch immer war das Handtuch sauber.

Irgendwann bin ich doch noch am Karlsruher Bahnhof angekommen und schlug mich bei kaltem Nieselregen per S-Bahn bis zu unserer Wohnung durch, die ich gegen 21 Uhr erreichte – zwei Stunden später als geplant und von meinem Mann erwartet.

Wir stellten nun die Transporttasche neben das Katzenklo im Badezimmer ab und öffneten eine Tür der Box. Auch die Tür vom Bad und unserem Wohnzimmer war offen.

… wie würden Minnie und Otto nun reagieren …?

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